Warum wir uns am 1. Mai die Strasse nehmen

Der 1. Mai ist der Tag des revolutionären Kampfes der ArbeiterInnenklasse. Viele Kämpfe wurden in der Vergangenheit schon geführt, doch sind diese heute noch genau so aktuell wie früher. Es liegt in der Natur des Kapitalismus, Ausbeutung und Unterdrückung voran zu treiben, denn dies ist die einzige Grundlage für ihn, sich zu entwickeln. Mit den Auswirkungen sind wir tagtäglich konfrontiert. Fortschreitende Zerstörung unserer Lebensgrundlage, der Natur, oder ausufernde Managerlöhne und Stellenabbau, um nur wenige Beispiele zu nennen. Sich solchen Auswüchsen des Profitsystems entgegenzustellen und entschlossen dagegen zu kämpfen halten wir natürlich für richtig.

 

Allerdings werden wir so immer nur die Symptome des Geschwürs bekämpfen und nicht das Geschwür selbst. Um grundsätzlich und nachhaltig etwas zu verändern, muss der Kapitalismus als solcher bekämpft werden. Erst wenn dieses System überwunden wird, ist es möglich, eine freie Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung aufzubauen.

 

Der Kapitalismus in der Krise.

Seit längerem befindet sich dieses System in in einer ökonomischen Krise, welche zusehends auch eine politische wird. Auch wenn im Moment ein kleiner «Aufschwung» stattfindet, ist die Tendenz klar, die Krise verschärft sich. Um sich möglichst lange über die Runden zu bringen, wird die Gangart der Kapitalisten und deren Regierungen immer härter. Immer neue Möglichkeiten, um noch effizienter ausbeuten zu können, müssen gefunden werden: Frauen leisten viel Gratisarbeit zuhause im Haushalt, im Arbeitsleben bekommen sie für die gleiche Arbeit wie Männer weniger Lohn. Das Bildungswesen wird umgebaut. Studiengebühren werden erhöht, Unis werden von privaten Firmen gesponsert, welche dafür natürlich auch Einfluss auf die Ausbildung nehmen wollen. Eliteschulen werden gegründet, während in weiten Teilen des Bildungssystems abgebaut wird. Musische und handwerkliche Fächer werden von den Lehrplänen gestrichen, während Fächer, aus welchen sich später Profi t erzielen lässt wie zum Beispiel Mathematik, Wirtschaft und Naturwissenschaften ausgebaut werden.

 

Krieg als eine der Lösungen.

Sozialabbau und Ausbeutung verschiedenster Kapitalfraktionen reichen aber nicht, um den Hunger nach Profi t zu stillen. Kapitalismus erfordert, um funktionieren zu können, ein stetiges Wirtschaftswachstum. Das heisst, nur solange Profi t in grossen Mengen erzielt und wieder profitabel investiert werden kann, ist er überlebensfähig. Deshalb müssen die Nutzniesser dieses Systems nach immer neuen Jagdgründen Ausschau halten. China bietet da sicherlich noch viel Potential, genauso wie Indien oder Brasilien. Im Irak wird um die Erdölressourcen gekämpft, unter dem Deckmantel, die Demokratie nach westlichem Vorbild einführen zu wollen. Es reicht allerdings ein Blick auf die Zustände dort, oder auch nach Afghanistan, um zu sehen, wohin dieser angebliche Kampf um Demokratie führt. Die Länder liegen im Chaos, die Infrastruktur ist zerstört. Die Aufträge zum Wiederaufbau und zur Ausbeutung der natürlichen Ressourcen sind dabei bereits unter den führenden Konzernen der kriegsführenden Nationen aufgeteilt.

 

Die Frage nach der Schuld.

Klar, dass der Unmut über diese desolaten Verhältnisse in der Bevölkerung stetig wächst. Nicht nur hier in der Schweiz, sondern weltweit. Die Herrschenden brauchen Schuldige. Dass dabei ausgerechnet die ärmsten und am meisten benachteiligten Leute herhalten sollen, verwundert dabei kaum. Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg, AsylantInnen sind Kriminelle, IV-BezügerInnen Schmarotzer, das sind leider weit verbreitete Meinungen. Diese Hetze wird vor allem von der SVP aktiv vorangetrieben, aber auch von allen anderen bürgerlichen Parteien getragen. Diese reaktionäre Hetze dient einzig und alleine dazu, die ArbeiterInnen gegeneinander auszuspielen und dadurch von den wahren Schuldigen abzulenken. Ein Blick in den süd- und zentralamerikanischen Kontinent oder nach Indien und Nepal zeigt, dass viele gegen die herrschenden Verhältnisse kämpfen. In Indien und Nepal sind seit Jahren Volkskriege entbrannt, die sich gegen die Bourgeoise richten. Und dies nicht ohne Erfolg. In den letzten Jahren konnten dort ganze Gebiete, teilweise so gross wie die Schweiz, unter die Kontrolle der Guerilla gebracht werden.

 

Am letzten 1. Mai beteiligten sich sehr viele an den Mobilisierungen, die vom Revolutionären Treff ausgingen. Auch dass ein Zeichen dafür, dass sie nicht mehr bereit sind, diese Verhältnisse einfach so hinzunehmen und auch nicht daran glauben, dass der Kapitalismus verbessert werden kann. Auch dieses Jahr werden wir uns die Strasse wieder nehmen und den Reichen und Mächtigen unsere fundamentale, revolutionäre Kapitalismuskritik entgegenstellen.

 

Dies ist ein Gastbeitrag des Revolutionären Aufbaus.

 

Der revolutionäre Aufbau ist nicht Mitgliedsorganisation und auch keine Partnerorganisation des 1.-Mai-Komitees.

Spedenaufruf für das CIRA in Lausanne. Mehr dazu hier.