Sonntag, 4. Mai
68 – Angriff und Gegenangriff (Crashkurs Marxismus V)
Bei den meisten Rückblicken auf 68 stehen die studentischen «Eliten» der westlichen Gesellschaften im Zentrum. Wer so auf die Vergangenheit blickt, verliert die Momente des antikapitalistischen Widerstands aus den Augen. Detlef Hartmann sieht 68 als weltweiten Zusammenstoss, als Krise des mit dem Nationalsozialismus und dem New Deal aufgekommenen Fordismus. Wilde Streiks, Strassenunruhen und bewaffnete Kämpfe der trikontinentalen BäuerInnen blockierten für eine relativ kurze Zeit das kapitalistische Kommando. Danach galt statt der tayloristischen Totalverwaltung das Hohelied der «freiwilligen» Selbstunterwerfung: vom migrantischen Bemühen um «Integration» über die Mitmachvarianten im Arbeitsamt bis zur Mobilisierung der Leistungsreserven der MitarbeiterInnen in den Grossunternehmen. Das Ganze territorial im Cluster verpackt, wo Staat, Infrastruktur, City, Unternehmen und Lifestyles das Unterwerfungskommando auf den einen Nenner bringen: Den Kampf im globalen Standortwettbewerb. Wer wie Autonomie-Autor Detlef Hartmann die Geschichte aus dieser Perspektive betrachtet, sieht in der (68er-) Linken nicht nur eine Element des Widerstands, sondern auch ein Motor der Neugestaltung des kapitalistischen Kommandos. Daraus leitet Hartmann die Frage ab, die sich heute noch schärfer stellt als 1968: Auf welcher Seite verorten wir uns in den globalen Kämpfen um eine antikapitalistische Gesellschaftlichkeit, von den chinesischen WanderarbeiterInnen über die Werkstätten im Tessin bis zu den Auseinandersetzungen um die gesellschaftliche Ausrichtung des 1. Mai.
Detlef Hartmann/Geral Geppert «Cluster – eine neue Etappe des Kapitalismus» ISBN 978-3-935936-62-0. www.assoziation-a.de
13.30 Uhr, Glaspalast
Rio - Gewalt in Uniform
Die andere Seite des Ferienparadieses Rio de Janeiro. Film und Diskussion mit dem «Komitee Menschenrechte in Favelas».
15 Uhr, Glaspalast
Immigrationsgeschichte in Europa
Referat und Diskussion mit Angelo Mari und Salvatore Di Concilio. Organisiert von der AASMS (Organisation marokkanischer MigrantInnen)
17 Uhr, Zeughaus 5