Freitag, 2. Mai
Fotoausstellung im Zeughaus 5
Workfare – Theorie und Praxis (Crash-Kurs Marxismus I)
Der Zürcher Soziologe Kurt Wyss und Franz Schibli, Mitarbeiter der IG Sozialhilfe über den Missbrauch der BezügerInnen von Sozialhilfe. Wer Sozialhilfe bezieht und als «arbeitsfähig» eingestuft wird, kann zum Arbeiten gezwungen werden. Ist eine betroffene Person dazu nicht bereit, können ihr die Sozialleistungen gestrichen werden. Zum neuen Workfare-Paradigma gehören neben dem Arbeitszwang auch die generelle Kürzung von Sozialleistungen sowie ein permanenter «Bildungs-» und Bewerbungszwang. Workfare ist in der Arbeitslosenversicherung (diverse Revisionen seit den 90er-Jahren), der Sozialhilfe (SKOS-Revision 2005) und der Invalidenversicherung (5. IV-Revision 2007) durchgesetzt worden. In der Umstellung der Sozialhilfe spielte das Zürcher Sozialdepartement mit der Einführung des sogenannten «Chancenmodells» (2002) eine Vorreiterrolle. Dass dieses «Modell» kläglich gescheitert ist, nimmt heute niemand mehr zur Kenntnis. Stattdessen dominieren «Missbrauchs»- Vorwürfe an diejenigen, denen fast alles genommen worden ist.
Kurt Wyss. «Workfare – Sozialstaatliche Repression im Dienst des globalisierten Kapitalismus» ISBN 978-3-85990-125-4 www.edition8.ch
17 Uhr, Glaspalast
Der Kampf ums Land in Indien
Die forcierte Industrialisierung Indiens mit steuerlicher Begünstigung der Multis und privatwirtschaftlicher Ausbeutung der Ressourcen geht auf Kosten der indigenen Bevölkerung und der landlosen Bauern. Sie werden in die Slums der Megastädte und in ein prekäres Dasein vertrieben. Die in der Tradition Mahatma Gandhis kämpfende Landrechtsbewegung Ekta Parishad (solidarischer Bund) verlangt, dass die arme Bevölkerung wieder die Kontrolle über die Ressourcen Land, Wald und Wasser erhält. Im vergangenen Oktober hat sie einen Marsch von 25000 Landlosen über 300 Kilometer in die Hauptstadt Delhi organisiert. Von der logistischen Herausforderung, vom Erfolg sowie der Bedeutung der internationalen Solidarität berichtet Rajagopal, der Initiant und Organisator.
17 Uhr, Zeughaus 5
Neue Werte für die Wirtschaft
In der Wirtschaft wird Eigennutz und Konkurrenz belohnt, während sich in unseren Alltagsbeziehungen Empathie, gegenseitige Hilfe, Teilen und Solidarität bewähren. Dieser Wertewiderspruch spaltet uns. Wir sollten in der Wirtschaftspolitik jene Werte belohnen, die uns als Menschen und Gesellschaft stärken. Christian Felber, Mitbegründer von Attac Österreich, über die Förderung unsozialer Verhaltensweisen und Werte. Buchpräsentation.
19 Uhr, Glaspalast
Agrar-Treibstoffe – Palmölanbau in Indonesien
Ständig kommen neue Agrotreibstoffe auf den Markt. Doch der angebliche Umweltschutz wird teuer erkauft: Der Anbau von Palmöl ist mit Landflucht und Menschenrechtsverletzungen verbunden. Das Peacebrigades-International-Projektland Indonesien will Weltmarktleader im Palmölexport werden. Die dafür genutzte Fläche soll auf 20 Millionen Hektaren wachsen, auf Kosten von Lebensräumen und Wald. MitarbeiterInnen von Peace Brigade International berichten aus ihrem Projektland.
19 Uhr, Zeughaus 5
G strich - Was ist Kapitalismus? (Crash-Kurs Marximsmus II)
Georg Fülberth schliesst bei der Darstellung der Entstehung und der Entwicklung dieser Gesellschaftsordnung die Gegenbewegungen mit ein. Seine Überlegungen münden in die neue Frage nach der Dauer und dem möglichen Ende der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise. Die Antwort des Verfassers wird mit den Definitionen früherer Autoren verglichen, wobei Karl Marx relativ gut abschneidet. Der Politikwissenschafter, der bis 2004 als Professor an der Uni Marburg tätig war, ist nicht nur ein scharfer Denker, sondern auch ein blendender Unterhalter.
Georg Fülberth. «G Strich – Kleine Geschichte des Kapitalismus.» ISBN 978-3-89438-315-2 www.papyrossa.de.
21 Uhr, Zeughaus 5
Jeevan (Film)
Erich Schmids Dok-Film (1991) über die Ermordung eines tamilischen Flüchtlings in der Schweiz. Anschliessend Diskussion mit dem Regisseur.
21 Uhr, Glaspalast