1.-MAI-KOMITEE ZÜRICH 2001
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Flüchtlinge, Sans-Papiers und antirassistische Gruppen werden an der Spitze der diesjährigen 1.-Mai-Demonstration laufen. Und damit ein Signal setzen: Gegen Ausgrenzung – für ein solidarisches Zusammenleben. Weil Menschen Menschen sind, und nicht «legal» oder «illegal».

Kein Mensch ist illegal – nicht nur am 1. Mai

Gerne wird Rassismus als gesellschaftliches Phänomen von der gesellschaftlichen Mitte an den rechten Rand verpflanzt. Tatsache ist jedoch, dass der Rassismus nicht das Problem einiger gewalttätiger Rechtsradikaler ist. In breiten Bevölkerungskreisen herrscht ein feindliches Klima für alles Fremde und Andere. Das Bild des «kriminellen Ausländers», des «aggressiv-gewaltättigen Fremden» oder des «fundamentalistisch-nicht assimilierbaren Anderen» durchzieht alle Schichten.

Die Auseinandersetzung um die «18 Prozent-Initiative» der neuen «Überfremdungs-Fanatiker» hat gezeigt, dass eine Mehrheit – neben einer konsequenten Ab-schottungspolitik gegenüber der «unerwünschten Migration» – eine auf die ökonomischen und nationalen Interessen abgestimmte Einwanderung will. Diese Logik führt zu Schliessungs- und Öffnungsprozessen, die im Einzelfall Spannungen auslösen können. Eines stellen diese Spannungen nicht in Frage: «AusländerInnen» sind Menschen zweiter Klasse. Ihre Existenzberechtigung ist von den ökonomischen Interessen der «Einheimischen» abhängig.

Leben wie im Gefängnis

Die vielfältigen alltäglichen Diskriminierungen bleiben dabei unsichtbar. Sie müssen vom Einzelnen ertragen werden. Migrant-Innen wohnen oft in den schlechtesten Wohnung in einer lebensfeindlichen Umgebung. Sie haben beschränkte Bildungsmöglichkeiten. Sie sind in der Schule und bei der (Lehr-)Stellensuche benachteiligt. Sie ar-beiten in prekären Arbeitsverhältnissen und sind auf vielfältige Weise vom öffentlichen Leben ausgeschlossen.

«Wo wir Regen erwartet haben, haben wir nur Wolken entdeckt.» Mit diesem somalischen Sprichwort drückt ein Flüchtling seine Enttäuschung über die Schweizer Gesellschaft aus. Die vorläufige Aufnahme (Bewilligung F) hat die Schweiz für viele AfrikanerInnen in ein «Gefängnis» verwandelt, in dem die Erwartungen und Hoffnungen erstickt wurden. Sich über Jahre er-streckende Asylverfahren und das Verweigern ordentlicher Aufenthaltsbewilligungen versetzt ihre Leben in ein Dauerprovisorium ohne Halt und Gewissheit. Die Zukunft ist verbaut. Das Gefühl, ausgeliefert, abhängig und zur Untätigkeit gezwungen zu sein, schafft Ohnmacht und Verzweiflung. 

Zeichen der Solidarität

MigrantInnen sind Menschen, die trotz fehlender politischer Rechte Widerstand leisten. «RAJO – Neue Hoffnung für Somalia», das «Comité des Ruandais en Suisse» oder die internationale Föderation irakischer Flüchtlinge sind Beispiele dafür. An der Spitze der diesjährigen 1.-Mai-Demonstration wird ein «Sans-Papier-Block» laufen – ein politisches Signal der Solidarität und ein starkes Zeichen gegen Repression und Rassismus.

Für einen Antirassismus, mit dem die entwürdigenden Verhältnisse gesprengt werden können, braucht es solche Signale. Wir müssen die rechte Ideologie entzaubern. Wir müssen bei der direkten Konfrontation mit rassistischen Übergriffen Zivilcourage zeigen. Und wir müssen MigrantInnen bei der schwierigen Bewätligung des Alltags solidarisch unterstützen.

El Ejido

Im Februar 2000 kam es mitten im grössten Gemüseanbaugebiet Spaniens zu Pogromen gegen marokkanische Landarbeiter. Nach dem Mord an einer jungen Frau jagten Einwohner von El Ejido MigrantInnen durch die Stadt. Bilanz: Sechzig verletzte Landarbeiter, 500 Obdachlose, zahlreiche zerstörte Häuser, Lä-den, religiöse Einrichtungen. Mustapha Ait-Korchi von der Vereinigung marokkanischer MigrantInnen in Spanien berichtet am 1.Mai über die Lage der Landarbeiter ein Jahr nach den Pogromen.

1. Mai, 17 Uhr, LoRa-Studio (Zeughaus 2)

 

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