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AKTUELL
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aktualisiert: 17.Sep.97 |
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Redeverbot auch in Deutschland! |
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Unterstützungskampagne
für Isaac Velazco
17. September 1997 At the request of the Peruvian government, German authorities are seeking to
ban all public political statements by Isaac Velazco, European spokesperson for the Tupac
Amaru Revolutionary Movement (MRTA), who lives in Hamburg. |
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Was Isaac Velazco am 1. Mai 1997
in Zürich nicht hätte sagen dürfen...
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Übersetzung
aus dem spanischen
Liebe Genossinnnen und Genossen, Freundinnen und Freunde
Zur Feier dieses 1. Mai möchte ich all jene begrüssen, die als Arbeiterinnen und
Arbeiter, als Angestellte und Berufsleute entschlossen sind, Widerstand gegen ein
unmenschliches kapitalistisches Modell zu leisten: den Neoliberalismus.
Die Ideologien seien überholt, heisst es, und die Demokratie habe den sozialistischen
Totalitarismus endgültig besiegt. Doch gerade heute zeigt sich ganz offensichtlich, dass
;der Widerspruch zwischen
gesellschaftlicher Arbeit und individuellem, privatem Profit alles andere als verschwunden
ist. Der Neoliberalismus verschärft diesenWiderspruch, indem er die Reichen immer reicher
macht, und Millionen von Menschen auf der ganzen Welt in immer tiefere Armut stürzt.
Der Neoliberalismus kennt keine Grenzen. Mehr oder wenigerausgeprägt und mehr oder
weniger brutal beherrscht dieses Wirtschaftssystem heute die ganze Welt, die Länder des
Südens und des Nordens.
Vor mehr als einem Jahrhundert begannen Arbeiterinnen und Arbeiter, dem Kapital soziale
Rechte abzuringen. Der Kampf um den 8-StundenTag schuf Bewusstsein und verstärkte die
Organisation unter d e n Arbeitenden. Aus dem Stellen von einzelnen Forderungen wurde ein
politischer Kampf gegen die Ausbeutung und den Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital.
In Peru begann der Kampf um den 8-Stunden-Tag 1906, mit den Hafenarbeiter.von Puerto de
Callao. Sie erreichten dieses Ziel zwei Jahre später Die Arbeiterbewegung umfasste bald
verschiedenste Produktionssektoren. Aus der Bewegung der Bäckerei- und
Textilarberterlnnen entstand die Peruanische Gewerkschaftsföderation CGTP. Ihr Gründer
war Amauta José Carlos Maridtegui, ein hervorragendenr Lehrer und einer der ersten
sozialistischen Denker inPeru und Lateinamerika.
Die Gewerkschaft in der Textilfabrik CROMOTEX tat sich besonders hervor. Als die Besitzer
beschlossen, die Fabrik in Konkurs zu schicken, um damit die Gewinne zu sichern ohne den
Verpflichtungen gegenüber den Arbeiterinnen und Arbeitern nachkommen zu müssen,
beschloss die Gewerkschaft die friedliche Besetzung der Fabrikarreals. Es kam zu
monatelangen Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und dem Unternehmen, die jedoch zu keiner
Lösung führten.
Am 4. Februar 1979 liess das Unternehmen das Arreal unter Polizeieinsatz stürmenmj. 6
Besetzer wurden dabei ermordet, ein Polizist kam beim Sturz aus dem 2. Stock des Gebäudes
ums Leben. Arbeiterlnnenund Gewerkschftsführer wurden verhaftet. Sie wurden angeklagt,
die Ordungskräfte angegriffen und einen Polizistenumgebracht zu haben. Unter ihnen befand
sich Nestor Cerpa Cartolini.
Nach 8 Monaten mussten Cerpa und die anderen Inhaftierten auf Druck von der Strasse
freigelassen werden.
Das brutale Vorgehen gegen die friedliche Besetzung der Fabrik, mit der nicht mehr als die
legitimen Rechten der Arbeiterlnnen gefordert wurden, zeigte Cerpa, dass diese Rechte
nicht allein durch die Gewerkschaft, das heisst nicht einzig mit friedlichen und legalen
Mitteln, durchgesetzt werden können. Der peruanische Staat hatte nicht gezögert, Gewalt
gegen die Gewerkschaft anzuwenden. Vor diesem Hintergrund wurde Cerpa zum Revolutionär,
der sich dem peruanischen Staatsterrorismus ebenfalls mit der Waffe entgegenstellt, um
dadurch für die Menscherwürde aller Peruanerinnen und Peruaner, ihren Zugang zu Bildung,
Gesundheit und Kultur und soziale Gerechtigkeit einzustehen. Für Nestor Cerpa und seine
Compaiieras und Companeros war die Gewalt nicht das Ziel, sondern ein Mittel zur
Durchsetzung der legitimen Rechte. In Ihrem über 15 Jahre dauernden Kampf war es der MRTA
ein grosses Anliegen, die Genfer Bürgerkriegskonvention zum Schutz der Zivilbevölkerung
und den Umgang mit Gefangenen und Verletzten genau einzuhalten.
1987, anlässlich der: Besetzung von Juanjui im peruanischen Dschungelgebiet, hat Nestor
Cerpa Cartolini sämtliche Gefangenen und Verletzten den medizinischen und kirchlichen
Behörden übergeben. Unter den Gefangenen befand auch der Offizier utid Sohn des
berüchtigten Chefs der Nationalen Direktion gegen den Terrorismus, John Caro.
1991 brachte er nach einer bewaffneten Auseinandersetzung mit der nationalen Polizei in
Rioja alle 9 Gefangenen in den Gewahrsam des örtlichen Bischofs. Nestor Cerpa Cartolini
forderte die peruanische Bevölkerung in Fernsehansprachen immer wieder dazu auf, die
Genfer Konvention und die Menschenrechte zu beachten.
Mit der Besetzung der japanischen Botschaft am 17. Dezember 1996 führte Cerpa zum einen
der ganzen Welt die Logik des bewaffneten Kampfes vor Augen; andererseits zeigte er aber
auch den Irrsinn eines Wirtschaftssystems, das für die Rentabilität des Kapital mit
Gewalt gegen die gesamte Bevölkerung vorgeht. Die Botschaftsbesetzung rückte die Folgen
und Mechanismen des neoliberalen Modells ins Blickfeld derWeltöffentlichkeit: Das Elend
des Grossteils der Bevölkerung durch die rücksichtslose Ausbeutuniz der menschlichen und
natürlichen Ressourcen zugunsten der raschen Bereicheruniz einer verschwindendkleinen,
mit dem transnationalen Kapital verbundenenBevölkerungsgruppe.
Die Botschaftsbesetzung vom 17. Dezenber zeigte den Irrsinn des neoliberalen
Wirtschaftssystems, für dessen Durchsetzung Staststerrorismus, Folter, aussergerichtliche
Verurteilungen, Morde und den Einsatz von Todesschwadronen nötig sind.
9.000 Frauen und Männer sitzen unter unmenschlichen Bedingung in peruanischen
Gefängnissen, weil sie sich gegen dieses System zur Wehr gesetzt haben.
Am 22. April 1997 wurde das Botschaftsgelände auf japanischem Boden gestürmt, alle
Mitglieder des Kommandos wurden umgebracht. Damit sollte diesem skrupellosen
kapitalistischen Modell, dem Neoliberalismus, in der Welt einmal mehr Nachachtung
verschafft werden.
Daran müssen wir am heutigen Internationalen Tag der Arbeit denken!
Es leben der 1. Mai und die Internationale Solidarität
Isaac Velazco, Vertreter des MRTA in Europa
Hamburg, den 29. April 19971 Zürich, den 1. Mai 1997 |
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