Aktuell
Keine Utopie?
Utopie? Für den Papierarabeiter Silvio Rodriguez aus Moron in Venezuela ist die Sache klar. Natürlich gibt es die, und zwar eine ganz Konkrete. Als der Patron die Arbeit in der Papierfabrik Venepal, in der Rodriguez arbeitet, einstellen liess, haben Silvio und seine KollegInnen das Werk besetzt. Und weil Venezuela seit der Wahl von Hugo Chavez nicht mehr der Staat der Patrons ist, wird in der Papierfabrik – deren Parton in der Zwischenzeit enteignet worden ist - heute wieder Papier produziert.
Silvio Rodriguez hat erlebt, wie das scheinbar Unmögliche plötzlich Realität wird. Das Unmögliche? Das ist der immer wieder von Neuem zu unternehmende Versuch, die Macht der Patrons zu brechen, sich zu widersetzen, Neues zu gestalten.
Auch hier in der Schweiz gibt es Menschen, die an diesem scheinbar Unmöglichen geschnuppert haben. Corinne Brischoux aus Moutier zum Beispiel, die mit ihrem Mann und einer ganzen Region gegen den Patron von Swissmetal kämpft, der die Giesserei La Boillat in Reconvillier stillegen will. Oder die Taxifahrer in Kloten, die im letzten Sommer für einen anständigen Lohn gestreikt haben. Sie haben erfahren, dass der aufrechte Gang mühsam sein kann, aber immer auch befreiend ist.
Am 1. Mai werden Menschen aus Venezuela, aus Reconvillier und aus Kloten, aus El Salvador, Südafrika und dem Irak nach Zürich kommen. Sie werden über diesen aufrechten Gang berichten. Und zur Solidarität aufrufen. Wir vom Zürcher 1.-Mai-Komitee haben diese Menschen eingeladen, weil wir möglichst viele Zürcherinnen und Zürcher mit dem Virus anstecken wollen, von dem Silvio Rodriguez und Corinne Brischoux erfasst worden sind.
Gerechtigkeit ist keine Utopie.
1.-Mai-Komitee