Womit GewerkschafterInnen im Irak zu kämpfen haben

Sie kämpfen für das Ende der Besatzung, eine säkulare Regierung und fortschrittliche Arbeitsgesetze. Die Gewerkschaftsbewegung im Irak steht vor besonderen Herausforderungen.

70 Prozent Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne, hohe Inflation, miserable Sicherheitsstandards an den Arbeitsplätzen, gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, korrupte Manager, eine korrupte Regierung, rückschrittliche Arbeitsgesetze und die Verweigerung des Rechts, sich zu Organisieren und sich kollektiv zur Wehr zu setzen: Es gibt kaum ein Hindernis, das den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern im Irak von heute bei ihren Anstrengungen nicht im Wege stehen würde. Und trotzdem gibt es sie, die Föderation der Arbeiterräte und der Gewerkschaften im Irak (FWCUI), deren Präsident Farah Alwan am 1. Mai in die Schweiz kommt. Der 43-jährige lebt in Bagdad und ist Aktivist jener Bewegung, die nichts mit der Besatzungsmacht und der neuen, mit ihr kollaborierenden Regierung zu tun haben will, die gleichzeitig aber auch nicht davor zurückschreckt, die als Befreiungskampf dargestellten Aktionen der reaktionären ethnischen und islamistischen Kräfte als das zu bezeichnen, was sie sind: Als Terror, dessen erste Opfer die Irakerinnen und Iraker selbst sind. Es ist die „Workers Comunist Party“, die sich in den 90er-Jahren im Iran und im Irak formiert hat, die diesen Kampf führt. Sie setzt sich für einen säkularen Staat ein, der sich weder ethnischen Gruppen, noch den religiösen Kräften ausliefern dürfe. Seit den Konferenzen von Basra im Jahr 2004 und von Bagdad im Jahr 2005, die die Föderation der Arbeiterräte und der Gewerkschaften durchgeführt haben, nähmen die gewerkschaftlichen Aktivitäten zu, sagen die AktivistInnen. Es gebe mehr Betriebe, aus denen heraus Gruppen von Arbeiterinnen und Arbeitern mit der FWCUI Kontakt aufnähmen. Und mit der Zahl der „ArbeiteraktivistInnen“ nehme auch die Zahl der Drohungen zu, denen sie ausgesetzt seien. Drohungen, die zum einen von den reaktionären nationalistischen und islamischen Kräfte ausgehen würden, zum anderen aber auch von den US-Soldaten. Letztere würden immer wieder AktivistInnen daran hindern, der FWCUI beizutreten. Das ändert aber nichts an den Forderungen der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Sie kämpfen für moderne Arbeitergesetze, das Recht zu streiken, das Recht sich zu organisieren, höhere Löhne und die Auswechslung korrupter Manager. Dass sie Solidarität brauchen, liegt auf der Hand. Und dafür kommt der Präsident der Arbeiterräte und der Gewerkschaften (denen übrigens auch eine Gewerkschaft der Arbeitslosen angehört) in die Schweiz.

www.uuiraq.org

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