Peter Staub

Peter Staub (46) ist in Olten aufgewachsen und schrieb vor vier Jahren sein erstes Buch. Jetzt wohnt er in Biel und präsentiert mit «Das Heulen der Wölfe» erneut einen spannenden Krimi.

Interview aus der Neuen Oltner Zeitung vom 13. August 2008

Peter Staub, vor vier Jahren haben Sie den Oltner Krimi «Hudere Waser» geschrieben. Jetzt halten wir Ihr zweites Werk «Das Heulen der Wölfe» in den Händen. Wieso haben Sie sich so lange Zeit gelassen?

Ich kann nicht hauptzeitlich schreiben, da ich ein 80-Prozent-Arbeitspensum habe. Nach dem «Hudere Waser» habe ich damals mit dem zweiten Buch begonnen, es jedoch nicht fertiggestellt, da ich meinen Job wechselte. Nach einem Unterbruch begann ich dann mit meinem Buch «Das Heulen der Wölfe», welches jetzt auf dem Markt ist.

Was arbeiten Sie im Hauptberuf?

Ich bin stellvertretender Geschäftsführer beim Bernischen Staatspersonalverband.

Sie sind in Olten aufgewachsen und leben jetzt seit vier Jahren in Biel. Hat es Ihnen hier nicht mehr gefallen?

Das kann man so nicht sagen. Der Umzug war einerseits beruflich bedingt und andererseits war es längst ein Traum von mir, in der Westschweiz zu leben. Besonders Biel hat es mir schon immer angetan.

Um was geht es in Ihrem zweiten Buch?

In Biel spielt sich Unfassbares ab. Die autistische Enkelin eines erfolgreichen Uhrenunternehmers wird missbraucht. Ein arbeitsloser Journalist ermittelt in diesem Fall und seine Spur führt ihn in ein rechtsextremes Milieu. Während seiner Recherchen entdeckt er zufällig ein Dokument, das die Welt verändern wird.

Es ist also wieder ein Krimi.

Ja. Einen Krimi zu schreiben ist eine angenehme Form um sozialkritische und politische Inhalte zu platzieren und doch eine breite Leserschaft anzusprechen. Ich selbst lese auch sehr gerne Krimis, das kommt noch dazu. Das Buch beinhaltet zwei Teile. Der Krimi zeigt die Probleme mit einem autistischen Kind. Die andere Komponente bringt eine politisch aktive Frau rein, welche die Hauptfigur des Buches zufällig kennen lernt.

Sie haben relativ spät mit dem Schreiben begonnen. Ist das kein Traum für Sie, vom Schreiben zu leben?

Das wäre schon ein Traum, sicher. Aber es ist in der Schweiz nicht einfach, da der Markt sehr klein ist. Ich habe nicht spät angefangen zu schreiben, ich habe spät angefangen Bücher zu schreiben. Da ich früher bei der Solothurner AZ als Journalist arbeitete, habe ich schon immer geschrieben.

Ihr erstes Buch «Hudere Waser» war ebenfalls ein spannender Krimi. Hat er sich gut verkauft?

Der Verlag war zufrieden, fast die ganze Auflage wurde verkauft. Von mir aus hätten es gerne noch einige Bücher mehr sein können.

Unter Lokalkolorit versteht man die Eigenart und Atmosphäre, die eine Gegend auszeichnen. Diesen Wiedererkennungseffekt ist Ihnen in «Hudere Waser» sehr gut gelungen. Man merkt, dass Sie sich in Olten auskennen. Dasselbe präsentieren Sie jetzt auch in Ihrem neuen Buch, wo die Handlung in Biel spielt. Wie machen Sie das?

Im neuen Buch gibt es weniger Lokalkolorit, es werden weniger Figuren, die ich kenne präsentiert und weniger Milieuszenen, aber natürlich kommen reale Schauplätze vor. Aber die Geschichte könnte sich überall abspielen. Da sie in Biel spielt, spielt ein Uhrenunternehmer eine wichtige Rolle. Würde die Geschichte in Zürich spielen, wäre er wohl Bankdirektor.

Wie lange haben Sie an Ihrem neusten Buch geschrieben und wie lange haben Sie recherchiert?

Der Produktionsprozess dauerte zwei Jahre. Ein Jahr lang habe ich geschrieben und recherchiert und ein Jahr lang wurde überarbeitet. Ich habe dabei an der Quelle recherchiert und war zum Beispiel in einem Heim für Autisten. Die Hauptfigur des Buches, der arbeitslose Journalist Ernesto Zweifel, geht bei seinen Recherchen ähnliche Wege.

Wie viele Fassungen schreiben Sie, bis das Buch so ist, wie Sie es haben wollen?

Was soll ich sagen? Zuerst kommt die Rohfassung und dann wird es verfeinert. Das Endergebnis ist die siebte oder achte Fassung. Diesmal musste ich weniger ändern als beim «Hudere Waser». Es ging mir darum, die Anfängerfehler zu beheben, in einer einfacheren Sprache zu schreiben und über weniger Details zu berichten.

Viele träumen ja davon, ein Buch zu schreiben und vor allem einen Verleger zu finden. Wie ist das bei Ihnen abgelaufen?

Beim ersten Buch hatte ich das Glück, ziemlich schnell ein Verlag zu finden. Beim zweiten Buch hatte ich mehr Mühe. Der bisherige Verlag wollte es nicht mehr, vermutlich aus politischen Gründen. Dann fand ich eine Bieler Verlegerin, die das Buch herausgeben wollte. Als sie es jedoch gelesen hatte, bekam sie kalte Füsse. Später klappte es dann mit einem anderen Verlag.

Welches ist Ihre Motivation?

Ich habe schon immer gerne geschrieben und bin dazu noch politisch interessiert. Linke Journalisten sind heute eher weniger gefragt. So kann ich meine politischen Ideen dennoch unter die Leute bringen.

Haben Sie ein Vorbild?

Nein, ich orientiere mich höchstens an angelsächsischen Autoren wie Peter Robinson, Sara Paretsky oder Ross McDonald. Eine Story muss Zug und Tiefgang haben. Grass zum Beispiel kann ich nicht lesen, da habe ich mich mal 80 Seiten lang durchgequält.

Interview: Fredi Köbeli

Am 1.-Mai-Fest liest Peter Staub aus diesem Buch vor.

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